Der Sprung ins Unbekannte
„Was ist in Leute gefahren, die da runterspringen?“, fragte die österreichische Skilegende Hubert Neuper rhetorisch, als er vor wenigen Wochen von der Spitze der Skiflugschanze in Oberstdorf, Bayern blickte. Mit ihren 235 Metern ist sie immerhin die drittgrößte Schanze der Welt.
In wenigen Sekunden beschleunigen die Skiflieger von null auf hundert Kilometer pro Stunde, um dann ins (für uns Zuseher) Unbekannte zu springen. Uns Laien sagt der Verstand: „Sicher nicht!“ Dennoch schwärmen die Athleten davon.
Alles nur Kopfsache
Wie man die Angst überwindet, weiß Hubert Neuper: „Wenn man vom Bekannten zum leicht Unbekannten geht, hat man die Möglichkeit, den Verstand unter Kontrolle zu halten. Und die Angst spielt keine Rolle.“
Ich selbst habe einmal von der Schanze in Kulm (gleiche Schanzengröße wie Oberstdorf) nach unten geblickt und mir das Runterfahren und Abspringen vorgestellt. Für mich undenkbar – was da alles passieren kann!
Vor 25 Jahren wollte Hubert beweisen, dass Skispringen vor allem Kopfsache ist. Mario Helmlinger (der im Laufe des Experiments zu „Majo Heli“ wurde), vom Skiverleih in Bad Mitterndorf, wurde ab März ohne jegliche Vorkenntnisse auf die Großschanze vorbereitet. Im Herbst des gleichen Jahres sprang er 125 Meter von der Großschanze in Lillehammer. Alles geht, wenn man will.
Unwissenheit schafft Angst
An der Börse sorgen Preisentwicklungen nach unten oft für Verunsicherung. Doch wer das Bild der Schanze versteht, erkennt: Der Weg bergab im Anlauf ist kein Absturz, sondern dient dazu, die Energie für den Sprung nach vorne zu sammeln. Angst entsteht nur dann, wenn der Prozess unklar ist.
Diese Angst führt dazu, dass viele lieber ganz die Finger davon lassen. Dabei wäre es sinnvoller, einen ersten kleinen Sprung ins Unbekannte zu wagen und einen kleinen Teil des liquiden Vermögens in Aktien zu investieren. Mit der Zeit findet man dann die richtige Quote.
Allerdings rücken immer wieder einzelne Aktien und andere Anlageformen ins allgemeine Interesse, weil sie wie eine Rakete durchstarten. Aber Achtung, wenn sich auf einmal Menschen dafür interessieren, die sich normalerweise nicht mit diesen Themen beschäftigen! Dann ist es selten ein guter Zeitpunkt auch noch hinterherzuspringen.
Gefällt Ihnen dieser Artikel?
Abonnieren Sie unseren Newsletter und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Newsletter abonnierenBleiben Sie informiert.
Erfahren sie noch mehr über Gutmann und unsere Investmentstrategie.
zum Gutmann Journal