03.07.26 07:00 - Lesezeit

Auf die Chance lauern

Robert Karas

Chief Investment Officer, Partner

Als ich den algerischen Fußballern in den letzten zehn Minuten der regulären Spielzeit bei ihren zahllosen Pässen zusah, schoss mir ein Wort in den Kopf: Optionalität.

Nein, ich war nicht bereits im Schlafentzugsdelirium, da das Fußballspiel um 4 Uhr Früh begonnen hatte. Ich sah die Aufzeichnung erst am nächsten Tag, ohne das Ergebnis zu kennen. Ich bin ein Fußball-Nicht-Auskenner und schaue nur alle paar Jahre ein Länderspiel an. 

Es stand 2:2 und beide Teams wären mit diesem Ergebnis zufrieden gewesen, weil eine Runde weiter. Aber jeder Spieler haut die Kugel rein, wenn sich die Chance ergibt. Und genau das war in meinem Kopf. Alles spielte sich in der österreichischen Spielhälfte ab und die Algerier passten lässig hin und her. Dadurch gewährte ihnen unsere Elf eine Call-Option, die weit aus dem Geld war. Man zahlt eine kleine Prämie für eine kleine Wahrscheinlichkeit eines Erfolges. Die Algerier machten ein wenig mehr Druck und zahlten die Prämie, die das Spiel in die gegnerische Hälfte verlagerte.

Hundertmal berührt, hundertmal ist nix passiert.

Die Österreicher hatten eine Short-Position im Call und verkauften sie damit durch etwas weniger Energie. Dafür bekamen sie eine Prämie in Form der Zeit, die für sie arbeitete. In dieser Situation ist jede aufflammende Bewegung (in der Finanzsprache: Volatilität) gut für den Optionskäufer und schlecht für den Verkäufer.

Und tatsächlich öffnete sich in gefühlt 100 Pässen plötzlich eine Lücke, die genutzt wurde und schon stand es 3:2. Der Call hatte sich für Algerien gerechnet und Österreich bezahlte teuer. Dass wir unseren Kopf dann in letzter Sekunde noch retten konnten, ändert nichts an den Ereignissen davor. Für uns Zuschauer war es jedenfalls Dramatik vom Feinsten.

Zahlungsprofile im Alltag.

Als einer der Gründungs-Market Maker der Österreichischen Optionen- und Futures Börse (ÖTOB) hat sich mir für den Rest meines Lebens das Denken in Long und Short Call- und Put-Optionen ins Hirn eingebrannt. Ich sehe nicht nur in Finanzthemen diese Zahlungsprofile, sondern auch überall sonst im Leben. Selbst wenn es nicht wirklich passend ist (und die Optionsexperten bereits den mahnenden Finger heben).

Eines ist jedenfalls Teil meiner DNA geworden: Ich will immer die Option long sein. Das heißt, ich möchte profitieren, wenn das unerwartete Ereignis eintritt.

Es ist erstaunlich hilfreich, sich vor allen Entscheidungen im Leben kurz zu überlegen, ob man die Optionalität kauft oder verkauft und welches Auszahlungsprofil („payoff“) man damit akzeptiert. 

Disclaimer: Dies ist eine Marketingmitteilung. Die Anlage in Finanzinstrumenten ist Marktrisiken unterworfen. Die frühere Wertentwicklung lässt nicht auf zukünftige Renditen schließen. Prognosen sind keine verlässlichen Indikatoren für zukünftige Ergebnisse. Die steuerliche Behandlung hängt von den persönlichen Verhältnissen des jeweiligen Kunden ab und kann künftigen Änderungen unterworfen sein. Bank Gutmann AG weist ausdrücklich darauf hin, dass diese Unterlage ausschließlich für den persönlichen Gebrauch und nur zur Information dienen soll. Eine Veröffentlichung, Vervielfältigung oder Weitergabe ist ohne die Zustimmung der Bank Gutmann AG untersagt. Der Inhalt dieser Unterlage stellt nicht auf die individuellen Bedürfnisse einzelner Anleger ab (gewünschter Ertrag, steuerliche Situation, Risikobereitschaft etc.), sondern ist genereller Natur. Diese Unterlage ist weder ein Angebot noch eine Einladung zur Angebotsstellung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Die erforderlichen Angaben zur Offenlegungspflicht gemäß § 25 Mediengesetz sind unter folgender Web-Adresse zu finden: https://www.gutmann.at/impressum
 

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